Liberia und La Fortuna (Costa Rica)

Was hatten wir nicht alles gehört und gelesen über den komplizierten Grenzübertritt zwischen Nicaragua und Costa Rica: Ausreiseticket und ein Bargeldnachweis in Höhe von 500 $ pro Person müssten vorgezeigt werden. Und dann ist es so unkompliziert. Kaum sind wir aus dem Taxi gestiegen, kommen zwei junge Frauen in Uniform zu uns und fragen nach unserem Ziel. Sie nehmen unsere Koffer und bringen uns zum Ausreiseschalter. Hinter dem Gebäude wartet der Bus, der uns den knappen Kilometer bis zum Einreiseschalter in Costa Rica bringen wird. Hier steigen wir wieder aus, nehmen unser Gepäck mit und stellen uns am Einreiseschalter an. Wir bekommen die Stempel ohne irgendeine Nachfrage oder ein Ticket vorzeigen zu müssen. Danach wird unser gesamtes Gepäck durchleuchtet und uns eine gute Reise gewünscht. Das war ja einfach. Und schon sind wir in dem Land, das für viele Menschen das Sehnsuchtsziel schlechthin ist.

Während der zweistündigen Fahrt stellen wir zum zweiten Mal nach Guatemala/El Salvador einen großen Unterschied zwischen zwei Nachbarstaaten fest. Obwohl der nördliche Teil von Costa Rica ebenfalls zur Hauptsache landwirtschaftlich genutzt wird, wirkt das Land grüner, die Häuser wertiger und das Vieh besser genährt. Zwei Stunden später steigen wir an der Hauptstraße in Liberia aus und bestellen ein Uber-Taxi zum Hotel. Während wir warten, beobachten wir auf der Gegenfahrbahn einen Straßenkünstler. Jedesmal wenn die rote Ampel den Verkehr stoppt, jongliert er mit drei Macheten. Als wir ihn später wiedersehen, ist er auf Keulen umgestiegen. Vielleicht ist bei ihm das Verbandszeug knapp geworden.

Liberia (70.000 EW) hat im touristischen Sinne nicht viel zu bieten, ist also ein guter Ort, das normale Leben kennen zu lernen. Zwei Nächte wollen wir hierbleiben, bevor wir weiterreisen. Es werden dann drei.

Das ehemalige Gefängnis inmitten der Stadt ist von außen sehr schön renoviert worden und wird nach und nach zum Museum umgebaut. Ein Flügel ist innen bereits fertiggestellt und zeigt historische Fundstücke wie Grabbeigaben, Schmuck und Gebrauchsartikel der Ureinwohner.

Überall in der Stadt stehen riesige Mangobäume am Straßenrand. Die Früchte sind gerade reif und wir schauen zu, wie ein Mann mit einer Zwille die Früchte aus mehreren Metern Höhe schießt und mehrere Säcke füllt. Ein gutes Geschäftsmodell, er setzt seine Geschicklichkeit ein, um kostenlos an die Ware zu kommen, die er anschließend verkauft.

Wunderschöne Bäume stehen in einem der Parks. Wir sind total beeindruckt von den weit ausladenden Kronen. Für die Menschen die hier leben ist der Anblick so alltäglich, dass sie das vermutlich gar nicht mehr bemerken. Ein Weile schauen wir zu, wie die Pfadfinder ihr Sportprogramm absolvieren. Ein hoffnungsvoller Verkäufer hat zwischen zwei Bäumen eine Leine gespannt und präsentiert daran seine Kollektion Fußballtrikots in Kindergröße.

Auf einem freien Platz in der Nähe stehen mehrere Food-Trucks und bieten die unterschiedlichsten Gerichte an. Als wir abends dorthin laufen um zu essen, haben sie leider schon geschlossen.

Mit dem Bus wollen wir am nächsten Morgen weiterreisen zu unserem nächsten Ziel La Fortuna. Leider gibt es keine Direktverbindung, wir müssen in Cañas umsteigen. Doch so komfortabel wie in anderen Ländern ist es hier nicht. Der Bus fährt gar nicht erst in die Stadt, der Fahrer lässt uns direkt an der Durchgangsstraße aussteigen. Von hier aus gibt es entgegen der Auskunft, die wir in Liberia bekommen haben, auch keinen direkten Bus zum Ziel. In Tilaran – 30 Kilometer entfernt – müssen wir erneut umzusteigen. Die Zeit ist knapp, wenn wir den Anschlussbus dort nicht erwischen, kommen wir heute nicht mehr weiter. Für 30 US $ fährt uns ein Taxifahrer dorthin. Unterwegs macht er uns ein neues Angebot, wir zahlen den doppelten Preis und er bringt uns direkt zu unserem Hotel in La Fortuna. Wir verhandeln noch ein wenig und stimmen dann zu. Aus der vierstündigen Busfahrt mit Riesenumweg wird auf diese Weise ein 1,5 stündige Autofahrt.

P1030451Das Geheimnis liegt in einer Abkürzung, die über etliche Kilometer unbefestigte Straße direkt an den Arenal-See (größter Stausee in Costa Rica) führt. Solche Strecken würde in Deutschland niemand seinem PKW zumuten, hier werden selbst Luxusfahrzeuge einer solchen Belastung ausgesetzt.

Auf diesem Stück Weg sehen wir – wie schon in Nicaragua – jede Menge Windkrafträder. Costa Rica setzt zu fast 100 % auf erneuerbare Energien, wobei Wasser an erster Stelle steht, gefolgt von Wind und Sonne.

Erst als wir das Seeufer erreichen, kann der Fahrer auf eine betonierte Straße einbiegen. Jetzt, kurz vor Beginn der Regenzeit Anfang Mai, ist der See nur noch zu 2/3 gefüllt, aber wie aufs Stichwort beginnt es zu tröpfeln. Der Fahrer macht uns auf ein geschnitztes Hinweisschild mit Eisenbahn, Haus und einem Paar in Tracht aufmerksam – eine Idylle wie in der Schweiz. Und tatsächlich hat sich hier ein Auswanderer aus der Schweiz sein Stück Heimat erschaffen. Die Landschaft ist – wenn man den tropischen Bewuchs übersieht – durchaus den Voralpen ähnlich. Ein Hotel, das so auch in der Schweiz zu finden ist, zieht viele Besucher an. Dazu gibt es eine 3,5 Kilometer lange Eisenbahnstrecke, auf der ein kleiner Zug die Besucher durch die grünen Hügel befördert. Ich erinnere mich jetzt, dass es im Fernsehen mal einen Bericht darüber gab. Besonders die Einheimischen lieben dieses „ferne Land“, das direkt vor ihrer Haustür liegt. Costa Rica wird häufig als die Schweiz Mittelamerikas bezeichnet und da ist durchaus was dran. Es ist auf jeden Fall das sauberste und das teuerste Land.

Unser Hotel liegt 1,5 Kilometer außerhalb von La Fortuna. Unterschiedlich gestaltete Häuschen liegen verstreut in einem herrlichen tropischen Garten, in dem die Kolibris schwirren und wir endlich unsere ersten beiden Tukane sehen.

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Fischertukan, der schönste von allen

 

P1030511La Fortuna – eine Kleinstadt in der Nähe des Vulkans Arenal – ist durch und durch touristisch. Außer Tourenanbietern, Restaurants und Bekleidungsgeschäften gibt es in der Innenstadt nicht viel zu sehen. Die Touristen kommen wegen des Vulkans, der bei einem Ausbruch 1968 das Städtchen Caserio El Burio verschonte, das daraufhin in La Fortuna (die Glückliche) umbenannt wurde. Diesen Vulkan mit seinem gleichmäßigen Erscheinungsbild wollen die meisten besteigen. In den vergangenen Jahrzehnten stieß er regelmäßig spektakuläre Lavafontänen aus, 2010 hat er damit aufgehört. Trotzdem wird er zu den zehn aktivsten Vulkan der Erde gezählt.

Während wir hier sind, sehen wir ihn nur selten in seiner ganzen Schönheit, die meiste Zeit ist er in Wolken gehüllt. In der Nähe gibt es heiße Quellen und einen spektakulären Wasserfall, bei dem sich das eiskalte Wasser 70 Meter tiefer in ein Becken ergießt. Gut 500 Stufen führen zu diesem Becken hinab und später wieder hinauf. Jetzt, wo die Regenzeit begonnen hat, finden wir das nicht so verlockend.

In La Fortuna ist alles teurer, als in Liberia. Meistens sind die Preise in den Speisekarten und für Ausflüge bereits in US $ angegeben. Schon einfache Gerichte wie Hamburger oder Pizza sind teurer als in Deutschland. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt hier zwar bei 750 Dollar, trotzdem fragen wir uns, wie die Menschen in den von Touristen besuchten Gegenden leben können.

Das Flüsschen Fortuna in der Nähe unseres Hotels zieht junge Menschen an, die gern über Felsen klettern oder sich an einem Seil bis in die Mitte schwingen und dann jauchzend ins kalte Wasser springen. Wir laufen durch den dichten Urwald am Ufer entland, immer in der Hoffnung, irgendwelche Tiere und Vögel zu sehen. Sehr erfolgreich sind wir nicht, nur einen Bodenbrüter haben wir versehentlich von seinem Nest aufgescheucht.

Am nächsten Tag haben wir mehr Glück. Am Rande von La Fortuna liegt der Sloth Watching Trail oder auf deutsch: Faultier-Beobachtungs-Weg. Wir bezahlen eine Eintrittsgebühr und tragen uns in das Besucherbuch ein. Heute waren hier zwanzig Menschen aus Israel zu Besuch und nur wir zwei aus Deutschland. Der Park wurde seinerzeit mit Hilfe des Staates Israel angelegt und zieht vermehrt Besucher aus diesem Land an.

Direkt am Eingang liegen halbierte Papayas, über die sich verschiedene Vögel hermachen. Man kann diesen Park mit oder ohne Führung besuchen.

P1000589Wir machen das ohne und haben wirklich Glück, schon nach kurzer Zeit ein Faultier im Baum zu sehen. Die Bewegungen dieser Tiere sind wie in Zeitlupe. Wenn man eins gefunden hat, flieht es jedenfalls nicht blitzschnell.

Verschiedene Vögel sind zu sehen und hin und wieder ein Schmetterling, sogar einer dieser großen leuchtend blauen Morphofalter, die man fast nie entdeckt, wenn sie sich irgendwo hingesetzt haben, weil die Außenseite nicht so auffällig ist.

P1030571Später entdecke ich noch zwei Erdbeerfröschchen in der Blue-Jeans-Färbung. Keine zwei Zentimeter sind sie groß und sehen aus wie Spielzeug. Doch man fasst sie besser nicht an, denn sie sondern über die Haut ein Gift ab. Hauptsächlich ernähren sie sich von Ameisen, deren Säure der Körper in Gift umwandelt; nicht tödlich für den Menchen, aber Übelkeit, Erbrechen und brennende Schmerzen löst der Hautkontakt auf jeden Fall aus.

Am nächsten Morgen beim Frühstück herrscht plötzlich Aufregung. Hinter dem Computer in der einen Ecke des Restaurants hat einer der Mitarbeiter ein Erdbeerfröschchen entdeckt. Es klettert geschwind auf die halbhohe weiße Mauer und lässt sich ausgiebig fotografieren, bevor es auf den Boden springt. Aus dem Garten hole ich ein großes Blatt und trage das Tierchen nach draußen, bevor es zertreten wird, giftig hin oder her.


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