Von Bunbury nach Esperance (Australien)

Nach dem Frühstück fahren wir zum Hafen der rund 30.000 Einwohner zählenden Stadt Bunbury. Vom Naturhafen aus werden Holzspäne, Aluminium und Mineralsand verschifft. Die oft in der Bucht auftauchenden Delfine bekommen wir leider nicht zu Gesicht.

Der nächste Halt ist in Busselton, wo der längste Jetty der südlichen Hemisphäre 1.841 m weit ins Meer gebaut wurde. 1865 wurde mit dem Bau begonnen, um das Verladen des Bauholzes – unter anderem für London – in der flachen Bucht zu erleichtern. Nach und nach musste der Pier verlängert werden, später verlegte man noch Eisenbahnschienen, um den Transport zu vereinfachen. Noch heute fährt eine Bahn, allerdings transportiert sie Touristen. Vom Steg aus wird gern geangelt, an einigen Stellen führen Treppenstufen nach unten zu kleinen Plattformen, auf denen es sich die Angler auf Hockern bequem machen. Ungefähr in der Mitte fallen uns am Geländer viele kleine Gedenktafeln auf. Hier wurde die Asche von verstorbenen Anglern oder Meeresliebhabern direkt dem Ozean überantwortet. Einige haben offenbar direkt auf dem Steg den Tod gefunden. Ein wenig makaber mutet das schon an. Das vom Meer abgeteilte und von einem großen Netz umgebene Schwimmbad liegt nur ein paar hundert Meter entfernt am Ufer.

Am Ende des Jetty kann man zum natürlichen Aquarium hinabsteigen. Hier befinden sich eigentlich die Menschen hinter oder besser im Glas und können das natürliche Leben im Meer an einem Korallenriff beobachten. Wenn man Glück hat, schauen auch die Seelöwen mal rein.

Wir fahren weiter über Dunsborough zum Cape Naturaliste. An der Straße steht ein großes Leuchtschild. Besucher erfahren, dass Haie gesichtet worden sind. Für uns ist die Warnung zwar interessant, aber bei den Wassertemperaturen ist die Badesaison für uns ohnehin vorbei. Den vielen Surfern, die in Neopren-Anzügen ihrem Hobby nachgehen, verdirbt die Warnung allerdings den Tag.

Wir laufen zum alten Leuchtturm an der Spitze. Er ist noch in Betrieb, deshalb kann man nur nach Voranmeldung nach oben laufen, doch auch von der Holzterrasse aus hat man eine gute Sicht nach drei Seiten. Auf dem Rückweg gehen wir ins Café im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus. Die einzelnen Räume sind mit alten Möbeln wie Wohnstuben aus vergangener Zeit eingerichtet. Es liegen sogar Bücher aus dieser Zeit herum. Hier kann man es eine Weile aushalten. Die Torten sollen laut Hinweis so gut sein, dass man dafür sterben könnte. Deshalb machen wir einen großen Bogen um die Kuchentheke und trinken nur Kaffee, bevor wir wieder ins Auto steigen.

Bald darauf verlassen wir die Küste und biegen ins Landesinnere ab. Unser heutiges Ziel ist Margaret River, die bekannteste Weinregion in Australien. Je näher wir der Stadt kommen, umso mehr Hinweisschilder auf Weingüter sind zu entdecken. Und dann sehen wir sie auch links und rechts der Straße. Geschmackvolle Zufahrten, riesige Grundstücke mit Zierteichen oder Parkanlagen, und daneben oder mittendrin die schönen Häuser.

Wer hier ein Weingut hat, gehört mit Sicherheit zu den wohlhabenden und angesehenen Bürgern des Landes. Auch die Stadt selbst macht einen einladenden Eindruck, aber anders als bei uns, sind die Weinlokale abends geschlossen, um 17 Uhr ist Schluss mit lustig. Das erhoffte Dinner in einem netten Lokal fällt aus, denn natürlich kommen wir zu spät hier an. Und so essen wir wieder in der „Sterne-Campingküche“.

In unserem Camper haben wir einen zweiflammigen Gaskocher und eine Mikrowelle (ausgiebig als Vorratsschrank genutzt). Meinen Anspruch, immer alles frisch zu kochen, habe ich bald aufgegeben. Der 50 Liter Kühlschrank hat kein Gemüsefach und in der Kühltasche vergammeln im feucht-heißen Klima sogar die Zwiebeln. Wir haben uns einen Vorrat an Gemüsekonserven angeschafft. Fleisch und Fisch kaufen wir möglichst vakuumverpackt. Wenn ein Supermarkt auf unserer Strecke liegt oder wir rechtzeitig in einer Stadt sind, kaufen wir für unser Abendessen auch frische Lebensmittel ein.

Am nächsten Morgen zieht es uns in einen Weinladen. Wir können diese Stadt doch nicht verlassen, ohne etwas von den hochgelobten Erzeugnissen zu kaufen. Eine sehr kompetente Dame berät uns bei der Auswahl, und so verlassen wir Margaret River mit zwei Flaschen Rotwein. Übrigens ist der Fluss, der der Stadt ihren Namen gegeben hat eigentlich nur ein Bach.

Wir fahren Richtung Nannup, Manjimup und Quinninup und dann durch den Shannon Nationalpark. Große Weinfelder wechseln sich mit Weiden voller Rinderherden ab. Wieder nehmen wir unterwegs die Gelegenheit war, eine Scenic-Route zu fahren.

Ein Schwarm grüner Papageien lässt uns mitten auf der Straße anhalten. Zum Glück völlig ungefährlich, denn außer unserem ist kein Fahrzeug weit und breit zu sehen. Nach einigen Kilometern laufen Emus über die Straße, drei von ihnen wollen offenbar einen Wettlauf mit uns machen und rennen vor und neben dem Auto her. Auf dem weiteren Weg entdecken wir 50 Meter neben der Straße eine Gruppe Kängurus. Leider können wir nicht näher an sie herankommen. Ich hoffe auf unseren Campingplatz in Walpole, in der Beschreibung stand, dass diese Tiere hier häufig zu sehen sind. Der Platz liegt wunderschön an einem Inlet, einer großen Bucht mit einer schmalen Verbindung zum Meer.

Diese Bucht könnte genauso gut in Schweden oder Kanada liegen. Aber auch hier lassen sich keine Kängurus blicken. Vielleicht sind sie beleidigt, weil überall Schilder stehen, dass man sie auf keinen Fall füttern darf. Außerdem muss immer die Tür zu den Waschräumen geschlossen werden, der leichte Zugang zu Süßwasser ist für die Tiere zu verlockend, und wenn dann die Türen zufallen, geraten sie in Panik und können für Menschen gefährlich werden.

Uns gefällt es hier, und wir bleiben einen weiteren Tag. Nachmittags laufen wir über einen Wanderweg in den Ort zum Einkaufen und wieder zurück.

IMG_20180509_172328Später im Camper schaue ich vom Computer auf und da sitzen zwei Kängurus – keine drei Meter vom Fenster entfernt. Aufgeregt fotografieren wir zuerst von drinnen, dann versuchen wir leise die Schiebetür zu öffnen und laufen auf Socken nach draußen. Die Australier wundern sich über uns, so viel Aufregung wegen zweier Kängurus. Aber sie verhalten sich still und warten ab, bis wir die Tiere genug Fotos gemacht haben. Wir sind richtig glücklich!

Am nächsten Morgen fahren wir um den Inlet herum, um dann durch den Nationalpark mit den Riesenbäumen über Denmark nach Albany, einer historischen Stadt zu fahren. Aborigines lebten bereits seit 50.000 Jahren in dieser Region, bevor 1826 europäische Siedler kamen, um sich hier nieder zu lassen. Ein paar Häuser sind an die 100 Jahre alt, das gilt in Australien schon als alte Stadt. Die Amerikaner hatten hier eine Zeit lang einen Militärstützpunkt.

Wir übernachten in Bremer Bay und laufen abends im frischen Wind noch ein Stück an der Bucht entlang, in der sich ein Schwarm Wasservögel bereits einen Schlafplatz gesucht hat. Der Boden ist salzverkrustet und wie mit Teppichboden belegt. Das sind Algenteppiche die nur bei Hochflut vom Meerwasser überspült werden. Die niedrigen Bäume sind vom ständigen Wind gebeugt und von der Sonne gebleicht. Am nächsten Morgen – im strahlenden Sonnenschein – sieht alles viel lieblicher aus. Wir sind ganz allein an einem schneeweißen Strand mit ein paar Granitfelsen.

Um nicht dieselbe Strecke wie gestern 60 Kilometer weit zurückzufahren, biegen wir von der Hauptstraße ab. Der Mann an der Tankstelle erklärt uns im Brustton der Überzeugung, dass alle Straßen hervorragend zu befahren seien. Wir glauben ihm und die erste viertel Stunde sieht alles prima aus, dann beginnt eine Schotterpiste. Behutsam lenke ich unseren Camper über das „Waschbrett.“ Das kostet Zeit, macht aber auch Spaß, durch diese einsame Landschaft zu fahren.

Am späten Nachmittag erreichen wir Esperance und fahren zu einem am Meer gelegenen Caravan-Park. Von hier aus wollen wir am nächsten Morgen den „Great Ocean Drive“ fahren, einen rund 40 Kilometer langen Rundweg mit atemberaubenden Ausblicken auf die weißesten und feinsandigsten Strände, die man sich nur vorstellen kann.

Das Meer bietet ein Farbspiel von helltürkis bis zum tiefen tintenblau. In Ufernähe treiben Surfer auf ihren Brettern im Wasser und warten auf die perfekte Welle. Immer wieder lassen wir das Auto stehen und laufen zu besonderen Aussichtspunkten. Einmal machen wir auch eine kleine Wanderung über einen Granitrücken und über den Strand zurück. Der am Rundweg gelegene „Pink Lake“ ist schon lange nicht mehr rosa. Durch den Straßenbau bekommt der See nicht mehr genügend Meerwasser und die für die intensive Farbe verantwortlichen Bakterien vermehren sich nicht in ausreichender Menge.

Für den Abend haben wir in einem Fischlokal einen Tisch reserviert. Während des Telefongespräches bittet uns der nette Mann, Wein oder Bier mitzubringen, das Lokal habe keine Lizenz für den Alkoholausschank. Als wir dann mit unserem Weißwein kommen, bringt er sofort einen Weinkühler mit Eis und die richtigen Gläser. Eine Flasche Wasser wird unaufgefordert und kostenlos auf den Tisch gestellt. Wir essen je eine Platte Meersefrüchte, eine gegrillt die andere „crumpled“. Das Lokal schließt um 20.30 Uhr. Nicht ungewöhnlich für Australien. Der Rückweg über schön angelegte Wege am Meer unter dem funkelnden Sternenhimmel ist das Sahnehäubchen auf diesem Abend.


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