Khao Sok und Koh Pu – alles Natur (Thailand)

Auf Gleis 10 – wo unser Zug abfahren soll – müssen erst noch zwei verspätete Züge abgefertigt werden. Eine Stunde später als geplant laufen wir zum Bahnsteig. Er liegt voller dicker weißer Pakete, die alle eingeladen werden. Es wird 20.15 Uhr, bis wir abfahren können. Der Schlafwagen hat auf jeder Seite mehrere Nischen, in denen sich zwei gegenüber liegende bequeme breite Sitze und darüber ein Bett befinden. Nach einer Weile kommt der Schaffner und fragt, ob er die Betten machen darf. Erst die oberen, dann schiebt er die Sitzflächen der beiden Sessel zusammen, drückt die Rückenlehnen herunter und auf diese Weise entsteht eine ausreichende Liegefläche. Darauf kommt eine Matratze, die er mit einem weißen Laken überzieht, das Kissen bekommt ebenfalls einen frischen weißen Bezug, er legt eine in Plastik verschweißte weiße Decke darauf (die dicken weißen Pakete waren also Bettwäsche nur für eine Nacht). Zum Schluss hängt einen grünen Vorhang vor die Bettnische. Das erinnert ein bisschen an „Manche mögen’s heiß.“ Es gibt eine kurze Verstimmung, ein französisches Paar will nicht glauben, dass wir die unteren Betten links und rechts gebucht haben, obwohl es auf unseren Fahrkarten steht. Der hinzugerufene Schaffner bestätigt die Richtigkeit, und sie klettern grummelnd ein Stockwerk höher.

Die Liegefläche ist bequem, das Bettzeug duftet angenehm frisch, aber an erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. Mag sein, dass meine Erkältung Schuld ist, aber der Zug holpert und rumpelt über die Gleise, dass man in seinem Bett hin- und hergeworfen wird. Als der Morgen dämmert, setze ich mich auf und schaue aus dem Fenster. Der Zug fährt durch einsame grüne Landschaft, Palmen, Zuckerrohr, bizarre Berge – einfach schön.

Kurz vor 9 Uhr erreichen wir Surat Thani. Gut, dass wir den Anschlussbus noch nicht gebucht haben, der ist schon seit einer halben Stunde weg. Der nächste soll zwei Stunden später gehen. Jetzt frühstücken wir erst einmal und lassen uns dann per Minibus zum Khao Sok Nationalpark fahren, wo wir für fünf Nächte einen Bungalow in der Nähe des Eingangs gebucht haben.

Die Anlage ist riesengroß, 16 verschieden große Holzbungalows sind großzügig darauf verteilt. Wir brauchen beide Schlaf und fallen ins Bett. Ich verbringe diesen und den nächsten Tag angeschlagen im Bett. Dann fühle ich mich wieder so, dass wir einen Spaziergang machen können.

Am nächsten Tag wollen wir im Nationalpark wandern. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Kleinstwerkstatt vorbei, in der Kautschukmilch verarbeitet wird. Wir schauen eine Weile zu, was mit der wie Sahne aussehenden Milch (sie soll auch so schmecken) passiert. Einer der Arbeiter schöpft mehrere Eimer aus einem großen in einen kleinen Bottich und fügt eine abgemessene Menge (Ameisensäure, wie wir später nachlesen) hinzu, verrührt das Ganze und gießt es randvoll in rechteckige Formen von ca. 35 x 25 cm Größe. Die werden jeweils längs und quer übereinander gestapelt. Wie lange es dann dauert, bis die Mischung fest wird, konnten wir nicht feststellen. Es muss jedoch innerhalb eines  Arbeitstages passieren. Ein anderer Arbeiter nimmt von einem anderen Stapel eine Form und stürzt sie auf den Fliesenboden. Sieht lecker aus, wie eine Riesenportion Panna Cotta. Er schlägt mit einem Rohr, so lange auf die wabbelige Masse ein, bis eine Platte von zweieinhalbfacher Größe der Form entstanden ist. Die Platten werden zusammen mit einer durchlässigen Folie übereinander geschichtet bis genügend Wasser abgelaufen ist, anschließend durch eine Mangel gedreht und auf Leinen zum Trocknen aufgehängt. Fertig ist der getrocknete Rohkautschuk; es gibt ihn auch geräuchert.

Der Eintritt in den Park kostet 7,50 € pro Person. Das Geld wird gut verwendet. Es sind eine Reihe von Gebäuden entstanden: Ein Restaurant, ein Informationszentrum, eine Jugendherberge mit Campingplatz und die Wege sind durchweg gut beschildert. Nur die Geländekarte könnte etwas besser gestaltet sein. Einen Teil der Strecke soll man nur mit Führer gehen. Wir laufen jedoch ohne, noch weiß ich nicht, wie weit ich komme. Der Weg führt durch dichten Urwald. Der Hauptweg ist breit und gut zu begehen, die Abzweigungen zu den einzelnen Besichtigungspunkten führen jedoch über Stock und Stein. Am ersten Punkt – der als Badeplatz bezeichnet wird – hat sich eine vierköpfige Affenfamilie niedergelassen. Die Eltern laufen Richtung Wald, als wir uns nähern. Die beiden Jungen sind so in ihr Kletter- und Verfolgungsspiel vertieft, dass sie das gar nicht bemerken. Die beiden sind so drollig, dass ich mit der Kamera näher und näher herangehe. Plötzlich hält der größere der Beiden im Spiel inne und schaut mich irgendwie merkwürdig an. Und dann sehe ich, dass zwanzig Zentimeter vor mir Papa Makakke fauchend und mit gefletschten Zähnen auf dem Boden sitzt. Ganz langsam bewege ich mich rückwärts, bis ein paar Meter zwischen mir und dem wütenden Affen liegen. Der Schreck ist mir ganz schön in die Glieder gefahren.

Wir laufen weiter bis zum Punkt 3. Ab hier soll man nur mit Führer gehen, aber wir wollen sehen wie weit wir es zu zweit schaffen und steuern den vierten Punkt an, an dem es eine Badestelle gibt. Der Weg wird jetzt sehr viel unebener als bisher, er führt über Felsbrocken, Baumwurzeln und kleine Abhänge. Die Belohnung ist eine idylische Stelle am Fluss. Hier kann man baden und wir wollen nur noch schnell ins Wasser. Das Ufer ist ein wenig schlammig, aber das Wasser hat eine wunder bare Temperatur und fühlt sich ganz weich an. Nach uns kommen noch zwei junge Männer. Der eine starrt ins Wasser, und ruft: „Oh nein, alles voll!“ Dann kommt er zu der Stelle wo wir ins Wasser gegangen sind und starrt wieder. „Was suchen Sie?“ frage ich. „Blutegel,“ meint er und deutet ins Wasser. Da kann ich ihn beruhigen, die Blutegel sind harmlose Kaulquappen, und dann traut er sich auch ins Wasser. Bei so einem empfindsamen Gemüt behalten wir die Entdeckung von zwei Wasserschlangen dann doch lieber für uns, sonst müssen wir ihn noch wiederbeleben. Später kommt noch ein Ehepaar mit Tochter. Als sie sehen, dass wir uns im Wasser tummeln, trauen sie sich auch hinein.

Auf dem Rückweg haben wir Glück und entdecken zwei Gibbons. Die in diesem Park heimische Raflesia (größte Blüte im Pflanzenreich) sehen wir zwar nicht, aber für uns hat der sich Ausflug wirklich gelohnt.

Für den nächsten Tag haben wir eine Seetour gebucht. Um 7.30 Uhr gibt es Frühstück, dann werden wir abgeholt. Der Fahrer sammelt noch verschiedene andere Touristen aus Frankreich, Rumänien und der Schweiz ein und dann fahren wir 60 km bis zum Chiao-Lan-Stausee. 1982 wurde die Staumauer gebaut und nach und nach füllten sich die Täler mit Wasser.

Dreizehn Dörfer mussten dafür umgesiedelt werden. Entstanden ist ein wunderschönes Gebiet zwischen Karstfelsen. Gut eine Stunde fahren wir mit einem Longboat, bis wir zu einem auf dem Wasser schwimmenden Ressort kommen. Dort wartet bereits das Mittagessen auf uns. Danach haben wir eine Stunde Zeit zum schwimmen im unerwartet warmen Wasser des Sees.

Und dann beginnt die Dschungel-Höhlen-Tour. Wir suchen uns aus mehreren Körben passende Gummischuhe aus (Schuhgröße 45 für Klaus gab’s natürlich nicht), fahren noch ein Stück mit dem Boot und laufen den abenteuerlichsten Pfad durch den Dschungel, den wir je gegangen sind. Der Weg ist matschig und rutschig und führt durch geheimnisvoll knarrenden und ächzenden Baumbuswald, durch Wasserlöcher und Bachläufe. Anfangs versucht man noch, am Rand der Schlammlöcher zu laufen. Später läuft man mittendurch. Einige haben einen Heidenspaß, wenn der Schlamm bis über die Knöchel reicht. Vielleicht ist das ein Ausgleich dafür, dass sie als Kinder nicht „mutkern“ (matschen) durften. Bergauf und bergab geht es eine gute Stunde lang, bis wir zum Eingang der Nam Talu Höhle kommen. Hier bleiben ein paar aus unserer Gruppe zurück, unter anderem ein Paar mit kleinem Kind.

Wir bekamen schon in unserem Ressort wasserdichte Beutel und Stirnlampen zur Verfügung gestellt, und die brauchen wir jetzt auch. Durch die trichterförmige Höhle – wir gehen an der schmalsten Stelle hinein – fließt ein Fluss. Zuerst ist er nur knietief. Das ändert sich jedoch bald. In voller Montur müssen wir ein Stück schwimmen und uns an einem Seil einen kleinen Wasserfall hochziehen. Danach ist das Wasser wieder flach. In der Dunkelheit sind die Steine nicht immer gut zu sehen, und so ist vorsichtiges Laufen zu empfehlen. Die Höhle weiter sich, zeigt Tropfsteingebilde und unzählige Fledermäuse an der Decke. Wir passieren mehrere schmale Durchgänge. Unser Führer zeigt auf einen Steinhaufen, in dem unzählige winzige Leuchtpunkte auszumachen sind. Im Schein unserer Stirnlampen erkennen wir, das hier jede Menge Spinnen hausen. Was da leuchtet sind deren Augen.

Nach 1,7 Kilometern verlassen wir die Höhle an einer anderen Stelle und müssen erneut einen schwierigen Weg laufen. Nach eineinhalb Stunden treffen wir die zurückgelassenen Leute wieder. Jetzt haben wir noch einen einstündigen Rückweg vor uns. Unser Führer, der diesen Weg bestimmt schon 5.000 mal gegangen ist, legt ein Tempo vor, dem man kaum folgen kann. Er hat Angst, das unser Boot das letzte ist, und hat wohl schon mal erlebt, dass der Motor nicht anspringen wollte. Erst als der Vater des kleinen Mädchens ihn zurecht weist, geht er etwas langsamer. Aber alles geht gut, außer unserem Boot liegen noch drei weitere hier an der Anlegestelle. Und am schwimmenden Ressort sehen wir weitere. Noch eine Viertelstunde, um sich die zurückgelassenen Sachen zu holen, den Matsch von den Füßen zu waschen und trockene Kleidung anzuziehen, dann startet das Boot und wir fahren zurück.

Weitere eineinhalb Stunden mit dem Bus, dann lassen wir uns erschöpft am Esstisch nieder, bestellen unser Abendessen und wollen uns nur noch langlegen.

Um 5 Uhr klingelt der Wecker, wir packen routiniert zusammen und verlassen unseren Bungalow. Leider fühlen sich unsere gestern angekommenen Nachbarn im Bungalow nebenan gestört. Die Frau lässt eine Schimpfkanonade los und brüllt noch hinter uns her, als wir schon 50 Meter weiter sind. Jetzt weiß das ganze Ressort, dass wir abreisen.

Aus unserem Minibus genießen wir noch einmal den Blick auf die herrlichen Berge und freuen uns ganz besonders über zwei Elefanten, die in der frühen Morgenstunde in der Nähe der Straße „frühstücken.“ Der Bus fährt Richtung Südwesten, wir durchfahren Khao Lak, den Ort den wohl jeder mit der Tsunami-Katastrophe von 2004 verbindet. Außer einem Denkmal erinnert nichts mehr an das verheerende Unglück.

In Krabi gehen wir auf eine Fähre. Wir haben uns entschieden, ein paar Tage auf Koh Pu/Jum zu verbringen, einer kleinen Insel die nicht übermäßig viele Touristen anzieht. Vor der Insel stoppt die Fähre und fünf Longboote legen an Back- und Steuerbord an. Wir müssen mitten auf dem Meer umsteigen. Das Gepäck wird herübergereicht und die Fähre nimmt wieder Fahrt auf. Soweit wie möglich fährt das Boot an den Strand, trotzdem bekommen wir nasse Füsse, als wir rausspringen. Das Personal unseres Ressorts hilft mit dem Gepäck. Die Anlage beginnt mit Restaurant und Rezeption direkt am Strand, die Bungalows ziehen sich in angenehmem Abstand zueinander zwischen Bäumen und Sträuchern einen Hügel hinauf. Wir beziehen den am höchsten liegenden, ca. 20 Meter über dem Strand. Der Besitzer gibt uns Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg: „Keine Lebensmittel im Bungalow, nichts im Badezimmer lassen und vor allem immer Fenster und Türen geschlossen halten, wenn man den Bungalow verlässt. Das gilt besonders auch für die Badezimmertür, die man von außen verriegeln kann. Die Aussenmauern des Bades sind nur halb hochgemauert und leicht überwindbar“. Die ganzen Vorsichsmahmen richten sich gegen unerwünschte Affenbesuche.

Wir haben noch Kekse im Rucksack, auch eine Tüte Mandarinen. Die wollen wir nicht wegwerfen und so schlimm kann es ja wohl nicht sein, wenn die Kekse noch in der Verpackung sind. Trotzdem versuchen wir uns nach den Anweisungen zu richten, obwohl wir nicht damit rechnen, überhaupt einen Affen zu Gesicht zu bekommen. Unsere Nachbarn zwei Häuser denken wie wir. Sie stufen die Ratschläge so ein: Kann man befolgen, kommt aber sowieso höchstens ein paar Mal im Jahr vor. Bis am nächsten Tag die kleine Tochter etwas aus dem Bungalow holen will. Sie zieht die Doppeltür nur zu, weil sie nicht an die Verriegelung kommt. Während sie im Badezimmer ist, erobert eine Gruppe Affen den Bungalow und klaut alle Tüten und Behälter wie: Zahnpastatuben, Müsliriegel, Kekse, Schokolade, Vitamin-Brausetabletten, Trinkflaschen, kurz alles was essbar sein könnte. Die arme Kleine traut sich nicht aus dem Badezimmer und muss von den Eltern gerettet werden. Die Affen sitzen keck auf dem Dach des Bungalows, die Tüte mit den Naschereien in der Hand. Was ihnen nicht schmeckt, werfen sie weg. So bekommen wir auch unsere im Bad vergessene Seife wieder zurück. Angebissen liegt sie hinter unserem Bungalow.

Danach können wir fast täglich beobachten, wie die Affen in kleinen oder größeren Gruppen auf der Suche nach offenstehenden Türen oder Fenstern in die Anlage kommen. Wenn da nichts zu machen ist, spielen sie auf und hinter der aufgehängten Wäsche Verstecken, zerren Handtüchern oder T-Shirts von der Leine und haben nur Blödsinn im Kopf. Wenn sie allerdings versuchen, das Restaurant unten am Strand zu besetzen, schießt der Besitzer mit einer Pressluft-„Uzi“ Plastikkugeln, dann verschwinden sie.

Wir verlängern unsere gebuchten fünf Tage noch um zwei weitere und verlassen die Insel mit etwas Wehmut auf dieselbe Weise, wie wir gekommen sind.

Noch eine Übernachtung in Krabi mit Abendessen auf dem Fischmarkt und dann ist es für uns Zeit, Thailand zu verlassen.


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