Positives, Merkwürdiges und Negatives nach 4 Wochen in Vietnam

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  • Wir haben nur positive Erfahrungen mit den Vietnamesen gemacht, so freundlich, so hilfsbereit; entgegen mehrerer Beschreibungen, die uns vorher ein bisschen verunsichert hatten.
  • Die Frauen zeigen mir ihre Sympathie ganz offen durch Berührungen.Mal wird der Arm getätschelt, mal Schulter oder Taille umfaßt. Mehrmals gab es bei unserer Abreisen feuchte Augen. Männer sind dagegen zurückhaltend.
  • Von allen bisher besuchten Ländern tragen die Vietnamesen am wenigsten traditionelle Kleidung. Mode spielt hier eine sehr große Rolle. Die ausgefallendsten Jeans, die elegantesten Pumps sahen wir in Vietnam. Es gibt viele Boutiquen mit edlen Kleidungsstücken. Männer und Frauen ziehen sich gern modisch an, auf keinen Fall geht man in Freizeitkleidung ins Restaurant.
  • Der inländische Kaffee schmeckt hervorragend, man bekommt Tasse oder Glas mit einem eigenen Filter. Der Kaffee wird schwarz getrunken oder mit der bereits in der Tasse befindlichen dicken, gezuckerten Kondensmilch verrührt; dann schmeckt er wie Mokkaschokolade.
  • Wir haben oft sehr gut gegessen, dabei hat uns die Verwendung von vielen frischen Kräutern gut gefallen.
  • Bis auf eine Ausnahme hatten wir mit die besten Hotelzimmer während unserer bisherigen Reise. Frische weiße Bettwäsche, häufig täglichen Handtuchwechsel, gutes Frühstück und ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis.
  • Vietnams Norden ist wirtschaftlich weit entwickelt, bis auf die großen Städte gibt es jedoch ein starkes Nord-/Südgefälle.
  • Buchsbaum wird häufig gepflanzt und dann liebevoll zu fantasievollen Figuren, Ornamenten oder Namen gestutzt und geschnitten.
  • Vietnam hat eine hohe Alphabetisierungsrate. Das wird u.a. darauf zurückgeführt, das dieses Land als einziges in Südostasien lateinische Buchstaben verwendet, die das Erlernen wesentlich vereinfachen.
  • Es gibt kaum etwas, was nicht auf einem Moped transportiert werden kann. Ganze Familie, lebende Schweine und Hühner und die unterschiedlichsten Waren. Wir sehen jemanden mit einem 60 Zoll großen Fernseher im Originalkarton. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten oder die Naivität muss wirklich groß sein.
  • Höflichkeit und Geduld verschwinden offenbar in dem Moment, wo ein Mensch zwei oder sogar vier Räder unter sich hat, ab dann gilt nur noch: Wer zuerst kommt, fährt zuerst.
  • Das beliebteste „Musikinstrument“ in Vietnam ist die Hupe. Gehupt wird eigentlich immer. Beim Einbiegen in die Hauptstraße, beim Linksüberholen, beim Rechtsüberholen, beim Umkurven der Fußgänger oder einfach, weil Montag (wahlweise auch ein anderer Wochentag) ist. Wenn schon die Mopeds nicht röhren, muss es die Hupe ausgleichen.
  • Was wir als Schlafanzüge tragen, ist hier absolut straßentauglich. Ob Satin (gerne in buntgemustert aber im klassischen Herren-Schnitt), Baumwollgewebe oder Jersey, alles wird von Frauen und Kindern gleichermaßen selbstverständlich draußen getragen.
  • Kinder werden gerne in Jacken gesteckt, die sie in Schmetterlinge oder Marienkäfer verwandeln. Auch sehr beliebt sind Mützen mit Bären-, Hasen-, oder Katzengesichtern
  • Die dekorativen Reisstrohhüte setzt man auch in der Stadt auf. Meist in Kombination mit einem Tuch über Nase und Mund.
  • Atemschutzmasken gibt es in zig Variationen. Seltsamerweise setzt man sie Kindern äußerst selten auf. Oft sieht man einfach Chirurgenmasken. Sollte es da mal einen Notstand geben, weiß man worauf der zurückzuführen ist.
    Gerne werden auch extra geschneiderte Masken farblich zur Kleidung kombiniert. Dazu Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Handschuhe. Bei dieser Vermummung fragt man sich, worin eigentlich der Unterschied zum Nikab besteht.
  • Während man einerseits darauf bedacht ist, die Luft nur gefiltert einzuatmen, hockt man andererseits auf diesen Kinderstühlchen am Straßenrand neben dem tosenden Verkehr und lässt sich das Essen schmecken.
  • Obwohl die meisten Vietnamesen Atheisten sind, hat nahezu jedes Hotel und jedes Haus sein Geisterhäuschen mit irgendeiner Gottheit innendrin. Davor liegen Speisen und Getränke als besänftigende Gaben und fast immer brennen Räucherstäbchen. Man kann ja nie wissen.
  • Hühner gibt es überall, man findet sie auch in großen Städten. Bei jedem Haus, bei Geschäften und in Werkstätten laufen welche herum. Es gibt sie in vielen Farben und Rassen. Besonders die hochbeinigen schlanken Tiere sind uns aufgefallen.
    Egal wo wir übernachtet haben, nachts krähen immer irgendwo Hähne.
  • Wenn die Vietnamesen Englisch sprechen braucht man viel Fantasie , denn wir konnten es nur schwer oder gar nicht verstehen. Umgekehrt ging es aber ebenso. Geprägt durch die Muttersprache verschlucken sie die Endkonsonanten. Auf meine Frage in Hoi An nach dem „Post-Office“ ernte ich zuerst nur Kopfschütteln. Erst als ich mit den Postkarten wedele kommt das Verstehen: „Ahh … Poofi“.
    Der Ehemann wird mit „Mei Habben“ vorgestellt. „Frei-Ä“ ist fried egg (Spiegelei), der Orangensaft „Oranju“…
  • Die Bürgersteige auf kleineren Straßen sind selten als solche begehbar. Meist blockieren Händler und kleine Garküchen mit Bestuhlung den Weg oder sie sind sehr ordentlich dicht an dicht mit Mopeds zugestellt. Ich musste doch einige Male gegen ein Zucken im Fuß ankämpfen, um nicht mit einem kleinen Tritt gegen ein Moped einen Dominoeffekt auszulösen, besonders nachdem man auf die Straße ausweichen musste und dort empört angehupt wurde.
  • Der chaotische Verkehr war bei mir schon öfter Thema. Die Menschen auf Moped und Tuktuk verlassen sich grundsätzlich darauf, dass die anderen wachsam sind, wenn sie einfach aus einer Neben- in eine Hauptstraße einbiegen, die Spur wechseln oder auf einer Straßenseite als „Geisterfahrer“ unterwegs sind. Oder sie drängen sich ganz rechts vor, um dann trotzdem auf einer mehrspurigen Straße vor allen Anderen links abzubiegen. Scheinbar funktioniert das alles, auch wenn uns Europäern manchmal der Atem stockt bzw. der Hut hochgeht.
    Eine Erkenntnis allerding bleibt: Wir Europäer sollten auch viel stärker umsichtigeres Fahren beherzigen statt immer nur stur auf unsere Rechte zu pochen. Und eine Portion Gelassenheit gegenüber den Fehlern der „Anderen“ würde uns ebenfalls gut bekommen.
  • Weil die Menschen so unbekümmert fahren und wir kaum Unfälle sahen, ging ich davon aus, dass es auch nur wenige gibt. Diese Illusion hat mir das Sonntagsgespräch mit einem wissbegierigen jungen Mann – der sein Deutsch verbessern wollte – allerdings genommen. Er erzählte, das es jährlich 20.000 Todesopfer im Straßenverkehr gäbe. Wie schrecklich!

Würden wir wieder hinfahren? Auf jeden Fall.

tam biet Viet Nam


2 Gedanken zu “Positives, Merkwürdiges und Negatives nach 4 Wochen in Vietnam

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