Houayxay, Vieng Phouka und der Wasserfall (Laos)

Gleich nachdem wir laotischen Boden betreten haben, steuern wir den nächsten Geldautomaten an. Heute wollen wir mal so richtig prassen und 2 Millionen Kip abholen.

Wir warten auf ein Sammeltaxi, das Linda, Erik und uns sowie einen Amerikaner 15 km nach Houayxay bringt. Der erste Eindruck begeistert uns. Die Landschaft ist sehr schön, nette Häuser, blühende Blumen. Die Strecke führt am Mekong entlang, der hier schon eine beachtliche Breite hat.

Das Tuktuk hält vor Lindas Hotel. Erik sagt, dass alle Hotels und Gasthäuser an dieser Straße liegen. Also ziehen wir unsere Koffer hinter uns her und sind nach 200 Metern auch an unserem vorgebuchten Hotel angelangt. Im gegenüber liegenden Lokal bestellen wir uns belegtes Baguette, ein Erbe aus der französischen Besatzungszeit. Als wir bezahlen stellen wir fest, dass das Geld bereits knapp geworden ist. Ich bin es nicht gewohnt, Beträge mit mehr als zwei Nullen vom Geldautomaten zu holen. Offenbar hat mich die große Summe so verwirrt, dass ich eine Null zu wenig eingegeben habe, und wir stattdessen mit nur 200.000 Kip = 20 € dastehen.

 

Houayxay ist die Provinzhauptstadt von Bokeo.

 

Eine nette kleine Stadt mit hübschem Tempel auf einem Hügel, von dem aus man einen Blick auf den Mekong und das gegenüber liegende thailändische Ufer hat.

 

Das ein Stück weiter liegende französische Fort Carnot ist baufällig und man kann das Gelände nicht nicht mehr betreten.

 

Auf dem Rückweg schauen wir verblüfft auf eine Gruppe Männer die ein Petanque-Turnier austrägt. Mit Begeisterung und viel Bier ist hier Militär gegen Polizei angetreten. Man lädt uns ein, zuzuschauen und mitzutrinken. Das kann man gar nicht ablehnen, und so beobachten wir mit einem Glas Bier in der Hand den Fortgang des Spiels. Einer der Spieler hat schon soviel Alkohol intus, dass er sich immer wieder an der Hauswand abstützen muss. Aber Werfen kann er immer noch hervorragend, das Zielwasser scheint von bester Qualität zu sein.

 

Später schauen wir unten am Fluss einem Fischer zu, der unter den wachsamen Augen seiner Söhne mit einem Wurfnetz offenbar das Abendessen für die Familie fängt. Die Jungen ahmen seine Bewegungen nach und helfen, die winzigen Fische aus dem Netz zu befreien und in einen Plastikkorb zu legen.

Für die Weiterfahrt am nächsten Morgen bestellen wir in dem Hotel gegenüberliegenden Restaurant mit Zimmervermietung und angeschlossenem Reisebüro zwei Busfahrkarten bei einer geschäftstüchtigen 75jährigen Dame, die mit untergeschlagenen Beinen auf einem Stuhl hockt und begeistert Geld zählt. Wir sollen uns um 8.30 im Lokal einfinden, sie würde alles arrangieren.

Kurz vor 8 sind wir da und frühstücken erst einmal. Ein Franzose und ein Engländer sind ebenfalls dort und warten auf den Fahrer, der sie zum Flughafen bringen soll. Wir gehen davon aus, dass wir zusammen fahren, aber die alte Dame winkt ab, wir hätten noch Zeit. Als sie verstanden hat, dass wir nicht – wie die meisten Touristen – das Schiff nach Luang Prabang um 11 Uhr sondern den Bus nach Luang Namtha um 9 Uhr nehmen wollen, zitiert sie den bereits mit den beiden Fahrgästen davon gebrausten Fahrer per Handy zurück.

Der Engländer steigt an dem nicht so einfach als solchem zu erkennenden Flughafen aus. Da steht zwar keine Wellblechhütte, aber das Gebäude würde auch als Privat-Haus durchgehen.

Unser Kleinbus steht schon am Busbahnhof. Ohne viel Federlesens kommen die Koffer direkt aufs Dach und wir suchen im bereits gut besetzten Bus Plätze. Die beiden letzten Sitzreihen sind mit Kartons belegt. Der Busfahrer fährt also auch wieder Pakete aus. Es werden gerade soviel Pakete unter Mithilfe von mehreren Fahrgästen durchs Fenster nach draußen gereicht, dass zwei Plätze in der letzen Sitzreihe für uns frei werden. Kurz vor Abfahrt kommt noch ein älteres Ehepaar. Die Rucksäcke landen auf dem Dach, und die beiden sollen auf kleinen Plastikhockern im Mittelgang Platz nehmen. Der Mann protestiert lautstark. Das macht er auf keinen Fall mit, dass er 6 Stunden zusammengefaltet im Mittelgang transportiert wird. Er will die Rucksäcke wiederhaben, aber auf einmal werden die letzen Kartons nach draußen befördert und die beiden Kanadier bekommen zwei Plätze neben uns. Sie kommen vom Yukon Staat und verbringen jeden Winter in Südostasien, wenn sie zu Hause im Bergbaubereich nicht mehr arbeiten können.

Der Weg führt wieder durch eine landschaftlich schöne Gegend. Es gibt einen kurzen Zwischenstopp an einem Lokal.

 

Wir beobachten einen etwa vierjährigen Jungen, der auf der obersten von zwei Stufen hockt; vor sich ein paar getrocknete runde schwarze Beeren, in der Hand einen angespitzten Stock. Ganz schnell versucht er mit je einem Stockschubs die Beeren von der Treppenstufe zu stoßen. Gelingt es ihm nicht, sammelt er alle wieder ein und beginnt von vorn.

 

Die Kanadierin hat Luftballons im Rucksack. Sie bläst einen pinkfarbenen auf und reicht ihn dem Jungen. Sofort kommt ein anderer dazu. Auch er bekommt einen, einen weißen. Der besonders schüchterne dritte wird von seiner Oma gedrängt, sich auch einen zu holen. Wieder ist es ein pinkfarbener. Der mittlere Junge ist unzufrieden und nimmt dem kleinsten den Ballon weg. Auf unseren tadelnden Ton hin gibt er dem Kleinen den weißen. Dem ist aber die Farbe ganz offensichtlich völlig egal. Bin gespannt, wie lang das gut geht, um die Stufen liegen viele spitze Steine. Ihr Mann erzählt, dass sie schon Ärger  deswegen hatten. Auch dabei ging es wieder um einen Luftballon. Das begeisterte Kind drückte zu fest zu, der Ballon platzte und das Kind weinte.  Sie  wurden daraufhin von den Erwachsenen beschimpft.

Als ich nach hinten zu den Toiletten gehe, liegt auf einem Tisch ein großes totes Riesengleithörnchen (wobei Riesen und –chen sich eigentlich ausschließen). Entweder werden sie gegessen oder irgendwelche Innereien ins nahe gelegene China verkauft. So ein Tier hätte ich ja viel lieber lebendig gesehen.

Nach ca. 1 Stunde Weiterfahrt erreichen wir unser heutiges Ziel Vieng Phouka. Am kleinen Flüsschen liegt ein Gasthaus, wo wir ein ordentliches Zimmer mit Bad und fließendem warmen Wasser zum Preis von 8 € bekommen.

Wir wollen ein bisschen laufen und gehen zunächst mal den Berg hinauf zum Tempel. Vor uns läuft eine Frau, die ihren kleinen Jungen mit einem Tuch auf den Rücken gebunden hat. Plötzlich bleibt sie stehen und klopft ihm zweimal sanft auf den Po. Plötzlich ist ihr Rock nass!? Windeln sind hier unbekannt, und da passiert schon mal ein Missgeschick.

Am Tempel vorbei führt der Weg durch Kautschuk-Plantagen in ein kleines Dorf.

DSC01145Uns fällt auf, dass hier viele Jungs, die nicht älter als 11 oder 12 Jahr zu sein scheinen, schon Moped fahren. Entweder sitzt die Mutter auf dem Rücksitz oder die jüngeren Geschwister. Natürlich sind sie stolz wie Oskar und hupen andauernd, wenn sie an uns vorbeifahren.

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noch ist es warm, aber der Holzvorrat für die doch kühlen Wintertage liegt schon bereit

Von dem Dorf laufen wir am Waldrand entlang zu einem großen Acker. Unter Plastikfolien-Kuppeln wird Gemüse gezogen. Ein größere Gruppe lebt direkt beim Acker, und ist gerade dabei, die Pflanzen zu bewässern.

Nach ein paar hundert Metern sind wir wieder zwischen Kautschukplantagen. Mittendrin steht eine kleine Hütte, eine Frau hängt gerade Wäsche auf. Ihr Mann ist damit beschäftigt, die kleinen Auffangbehälter mit der inzwischen dickflüssig  gewordenen Gummimilch in einen großen Eimer zu leeren. Entweder wird die Ausbeute abgeholt oder er muss sie zu einer bestimmten Anlieferungsstelle bringen. Da würden wir gern sehen, wie es weiter geht. Aber wir wollen nicht in die Dunkelheit kommen und laufen jetzt am Flussufer entlang zurück.

Heute ist Nationalfeiertag und bis auf ein Restaurant hat alles geschlossen. Aber Essen wollen wir unbedingt. Es ist abends schon empfindlich kalt und das Lokal hat nur an drei Seiten Wände. Der vordere Teil ist offen. Es gibt Nudelsuppe.

Auf einem Holzfeuer steht auf dem Boden ein Topf von den Ausmaßen eines Einkochkessels. In ihm brodelt die Brühe. Oben am Tisch schneidet eine junge Frau Fleisch klein, verteilt es in zwei Schüsseln, weicht Nudeln in kochendem Wasser ein und tut sie dazu. Zwei Schöpfkellen Brühe darüber und die Suppe ist fertig. Wir bekommen noch einen Teller mit Weißkohlstreifen und verschiedenen Kräutern hingestellt, die man ganz nach Gusto in die Suppe geben kann. Schmeckt gut, und mit Getränken zahlen wir 4 €.

Am nächsten Morgen gehen wir dort frühstücken. Der Zimmernachbar aus dem Hotel, der mit seiner Frau vor dem Lokal auf den Bus Richtung Houayxay wartet, empfiehlt uns die Rühreier. Die junge Köchin ist gerade mit der Vorbereitung der Suppe beschäftigt. Sie mörsert Gewürze, steckt eine Handvoll Chilischoten auf einen Spieß und schneidet Kräuter. Obwohl sie einen großen Tisch hat, arbeitet sie – auf einem Hocker sitzend – weit vornübergebeugt auf der Erde. Wir bestellen die Eier, zwei für jeden. Die junge Köchin versteht wohl nicht was wir wollen, sie kippt eine halbe Flasche Öl in den Wok und schlägt die Eier hinein. Wir bekommen jeder vier! Da bekommt die magere Hündin gegenüber noch was ab. Für acht Eier und vier Tassen Kaffee bezahlen wir wieder 4 €.

Als wir danach unsere Koffer aus dem Hotel holen und die Straße ein Stück hinunter gehen, um auf den Bus zu warten, steht das Paar für die Gegenrichtung noch immer da. Auch als unser Bus schon gekommen ist, warten sie noch immer.

Die Strecke ist nicht so lang, eine Stunde und vierzig Minuten später sind wir am Busbahnhof von Luang Namtha. Katharina, die ebenfalls im Bus saß schlägt vor, gemeinsam ein Tuktuk zu nehmen. Sie hat ihr Hotel bereits gebucht, wir dieses Mal noch nicht. Aber ihres gefällt uns, und wir bekommen auch noch ein Zimmer dort.

 

Der Nachmittagsspaziergang führt uns zum Fluss, über den eine Holzbrücke führt. Jedes Jahr muss sie nach starken Regenfällen und anschließendem Hochwasser erneuert werden. Unglaublich, dass die Mopeds über dieses schmale Ding ohne Geländer brausen. Manche Touristen haben schon ein Problem damit, sie zu Fuß zu überqueren. Hier sieht das Wasser recht sauber aus. Kinder planschen, Frauen holen Wasser für die Gärten oder waschen Wäsche.

Abends im Restaurant sitzen wir einem sympathischen Paar gegenüber. Wir lächeln uns an und beschließen, uns an deren Tisch zu setzen. Das ist mal wieder ein Glücksfall, wieder ein holländisches Paar, das uns sehr beeindruckt. Ruth und Bart sind mit den Fahrrädern unterwegs. Sie sind von China aus nach Laos gekommen und wollen bis nach Bangkok radeln. Was die Zwei schon alles erlebt haben, wie spannend sie erzählen können und was sie noch alles vor sich haben, imponiert uns sehr. Wir werden ihrem Weg über die App „Polarsteps“ folgen.

Den nächsten Tag wollen wir zum 6 km entfernten Wasserfall. Erst wollten wir ein Moped mieten, aber Ruth erzählte mir, dass der Weg unglaublich schlecht sei, also laufen wir.

Wir kommen an Hütten vorbei, hier außerhalb von Luang Namtha haben sich einige Volksgruppen aus der nördlichen Bergregion niedergelassen und betreiben eine kleine Landwirtschaft.

In einem winzigen Weiler, direkt vor dem Wasserfall, wird noch Papier aus Bambus hergestellt. Wir schauen fasziniert zu und beschließen, auf dem Rückweg einen Bogen Papier zu kaufen.

 

Aber erst laufen wir bergauf zum Wasserfall. Wir finden es zu kühl, aber ein paar Kinder und Jugendliche lassen sich nicht abschrecken und toben vergnügt in den kühlen Wasserbecken.

praktische Vorrichtung für Wäsche oder Würste

Abends treffen wir alte Bekannte, das Ehepaar vom Yukon. Wir gehen zusammen essen und erzählen uns gegenseitig Geschichten aus unserem Leben. Vielleicht treffen wir Jasmin und Michael ja noch einmal, wäre schön.


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